Der Workshop behandelte das Thema
„Kriminalpolitik in entgrenzten Räumen – Konturen neuer
Begrenzungen?“. Kriminalpolitik wird hier verstanden als ein
Policy-Programm, welches die Strategien, Taktiken und
Sanktionsinstrumente beschreibt, mit der die Institutionen der Inneren
Sicherheit eine Optimierung der Verbrechenskontrolle zu erreichen
versuchen. Derzeit sind Tendenzen zu beobachten, wonach sich die
bislang national und staatlich ausgerichteten Kriminalpolitiken
„entgrenzen“: sichtbar vor allem in der zunehmenden Europäisierung
der Inneren Sicherheit, beobachtbar aber auch anhand der steigenden
Einbeziehung kommerzieller Akteure in die Produktion öffentlicher
Sicherheit. In diesem Sinne verliert der Staat an originären
Handlungs- und Eingriffsbefugnissen. Zugleich ist aber paradoxerweise
festzustellen, dass die Tendenzen umfassender gesellschaftlicher
Kontrollen insgesamt zunehmen. Dies betrifft einerseits die
Spezialisierung und Technisierung der Strafermittlung und der
Kriminalprävention (z. B. elektronische Überwachung von
Telekommunikations-Infrastrukturen), andererseits expandieren durch
die Verwischung der Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem die
sozialen Kontrollinstrumente. Die Bürger avancieren selbst zu
Akteuren kriminalpolitischer Kontrolle.
Die Beiträge des Workshops
untersuchten in einem ersten Teil die institutionellen Veränderungen
und überprüften in einem zweiten Teil die Evaluierungserfahrungen in
ausgewählten Kriminalitätsfeldern.
Moderation und Organisation:
PD Dr. Hans-Jürgen Lange
Philipps-Universität Marburg
Institut für Politikwissenschaft
Wilhelm-Röpke-Str. 6
35032 Marburg
Mittwoch, 4. Oktober 2000
I. Teil: Entstaatlichung
national-staatlicher Kriminalpolitik?
DR. BERNHARD FREVEL (Fachhochschule für öffentl. Verwaltung NRW)
Kriminalpolitik im institutionellen System der Bundesrepublik
PROF. DR. PETER NITSCHKE (Hochschule Vechta)
Europäisierung der Kriminalpolitik
Diskussion
PROF. DR. EIKE HENNIG (Universität -GH- Kassel)
Kriminalpolitik und Privatisierung öffentlicher Räume
PD DR. HANS-JÜRGEN LANGE (Universität Marburg)
Kriminalpolitik, politische Steuerung und Politikberatung
Diskussion
Mitgliederversammlung
Donnerstag, 5. Oktober 2000
II. Teil: Vergesellschaftung der
Kriminalpolitik ? – Evaluierungsberichte aus Kriminalitätsfeldern
PD DR. NORBERT PÜTTER (FU Berlin)
Organisierte Kriminalität
PROF. DR. KARLHANS LIEBL (Fachhochschule für Polizei Sachsen)
Wirtschaftskriminalität
Diskussion
GISBERT VAN ELSBERGEN (Universität Osnabrück)
Umweltkriminalitä
KURT H. G. GROLL / SASCHA SCHIERZ
(Universität -GH- Wuppertal)
Der Bürger als kriminalpolitischer
Akteur. Politische Anstrengungen zur
Vergemeinschaftung der Verantwortung
von Sicherheit und Ordnung
Abschlußdiskussion
Die Beiträge werden in dem
Sammelband: Lange, H.-J. (Hg.): Kriminalpolitik, Verlag Leske +
Budrich, dokumentiert.