Friedensidee, Verfassung und
europäische Föderation
Die
Rezeption der Verfassung des Alten Reiches in der französischen politischen
Theorie des 18. Jahrhunderts und ihr Einfluß auf die Herausbildung der Rechts-
und Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau
Forschungsprojekt im Rahmen des deutsch-französischen Kooperationsprojekts
Les
représentations françaises de l’Allemagne en Europe, 17e - 18e
siècles /
Das
französische Deutschlandbild im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts
Dr. Olaf Asbach / Dr. Dieter Hüning
Das Forschungsprojekt wurde von 1996 bis 1999 durch die Volkswagen-Stiftung gefördert.
- Im Zentrum des Projekts steht die Rezeption der
Reichsverfassung, ihrer Genese, Geschichte und Funktion innerhalb der
französischen politischen Philosophie des 18. Jahrhunderts, wobei der
Schwerpunkt auf den politischen Philosophien des Abbé de Saint-Pierre und
Jean-Jacques Rousseaus liegt. Beide haben in der Verfassungsstruktur des
sogenannten Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, wie es
seit dem Westfälischen Frieden 1648 bestand und von Pufendorf mit dem
wenig schmeichelhaften Titel eines monstrum simile belegt wurde,
ein mögliches Vorbild für eine mögliche föderative Ordnung der
europäischen Staatenwelt gesehen, durch die das labile Gleichgewicht
zwischen den Staaten gesichert und eine dauerhafte Rechts- und
Friedensordnung hergestellt werden könnte. Das Forschungsprojekt, das
historische und philosophische Untersuchungen mit der Auswertung der
Nachlässe des Abbé de Saint-Pierre und Rousseaus in Frankreich (Caen,
Rouen, Paris) und der Schweiz (Neuchâtel, Genf) verbindet, geht u.a. den
folgenden Fragen nach:
- Welchen Stellenwert hat die Beschäftigung mit
Fragen der Ordnung Europas, des Gleichgewichts der Mächte und einer
Föderation souveräner Staaten innerhalb der französischen politischen
Philosophie im 18. Jahrhundert?
- Welche Rolle spielt die Berufung auf die
Verfassungsstruktur des Alten Reichs und die entsprechende
Konzeptualisierung innerhalb der Verfassungstheorie und der
Reichspublizistik in diesen Diskussionen, und warum wird der
Reichsverfassung und damit der in ihr zum Ausdruck kommenden Tendenz zur
Verrechtlichung des Politischen in der politischen Philosophie Frankreichs
eine Vorbildfunktion zugesprochen?
- Es wird der besonderen Funktion nachgegangen,
die hierbei den Schriften des Abbé de Saint-Pierre zukommt, insofern die
zahlreichen Diskurse mehr oder weniger explizit an seine Friedensprojekte
anknüpfen, in denen bereits die Idee einer föderativen gesamteuropäischen
Republik am Vorbild der Verfassungsstruktur des Deutschen Reiches
ausgerichtet wird.
- Untersucht wird schließlich, wie die
verschiedenen Diskussionsstränge in Rousseaus Rechts- und Staatstheorie
zusammenlaufen, in der die Theorie internationaler Beziehungen bisher nur
wenig Beachtung gefunden hat. Zu fragen ist, inwiefern sich in seiner
politischen Theorie die verschiedenen – rechts- und staatsphilosophischen,
historischen und verfassungsrechtlichen – Motive und Perspektiven zu einer
Konzeption des Völkerrechts, der internationalen Beziehungen bzw. einer
europäischen Konföderation verbinden.
Publikationen zum
Projekt (Auswahl):
- Asbach, Olaf: Die Zähmung der Leviathane. Die
Idee einer Rechtsordnung zwischen Staaten bei Abbé de Saint-Pierre und
Jean-Jacques Rousseau (Politische Ideen, Bd. 15), Berlin: Akademie-Verlag
2002.
- – : Der ewige Frieden, Europa und das Alte
Reich. Zur vergessenen Vorgeschichte der Kantischen Friedensschrift bei
Rousseau und dem Abbé de Saint-Pierre, in: Proceedings of the Eighth
International Kant-Congress Memphis/USA 1995, Vol. II, Part 2, ed. by Hoke
Robinson, Milwaukee: Marquette University Press 1995, pp. 787-804.
- – : Politik und Frieden beim Abbé de
Saint-Pierre.Erinnerung an einen (fast) vergessenen Klassiker der
politischen Philosophie, in: Politisches Denken. Jahrbuch 1995/96,
hrsg. von Volker Gerhardt, Henning Ottmann u. a., Stuttgart/Weimar 1996,
S. 133-163.
- – : Internationaler Naturzustand und Ewiger
Friede. Rousseaus und Kants Begründung einer rechtlichen Ordnung zwischen
Staaten, in: Recht, Staat und Völkerrecht bei Immanuel Kant. Marburger
Tagung zu Kants 'Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre', hrsg. von
Dieter Hüning und Burkhard Tuschling, Berlin: Duncker & Humblot 1998,
S. 203-232.
- – : Staatsrecht und Völkerrecht bei
Jean-Jacques Rousseau. Zur Frage der völkerrechtlichen Vollendung des
'Contrat social', in: Reinhard Brandt/ Karlfriedrich Herb (Hrsg.):
Jean-Jacques Rousseau: Vom gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des
Staatsrechts, (Reihe Klassiker auslegen, hg. v. Otfried Höffe, Bd. 22),
Berlin: Akademie-Verlag 2000, S. 241-269.
- – : Internationale Rechtsgemeinschaft oder
Autarkie kleiner Republiken? Dimensionen und Probleme des Staats- und
Völkerrechts bei Jean-Jacques Rousseau, in: Politisches Denken.
Jahrbuch 1999, hrsg. von V. Gerhardt, H. Ottmann, K. Graf Ballestrem u.
a., Stuttgart/Weimar 1999, S. 105-154.
- Asbach, O. / Hüning, Dieter: L’état de nature
et la fondation du droit. L’Abbé de Saint-Pierre comme intermédiaire entre
Hobbes et Rousseau, Vortrag auf dem IIe Colloque
International: J.-J. Rousseau: Politique et Nation in
Montmorency/Frankreich, 27.9. - 4.10. 1995.
Eine erweiterte Fassung
erschienen in:
Actes du IIe Colloque
International de Montmorency: J.-J. Rousseau: Politique et Nation, prés. par
Robert Thiéry, Paris: Honoré Champion 2001, p. 153-167.
- / – – : Naturzustand und Rechtsbegründung.
Der Abbé de Saint-Pierre zwischen Hobbes und Rousseau (=
deutschsprachige, überarbeitete und erweiterte Fassung des vorgenannten
Aufsatzes), in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Vol. 84, Heft
3/1998, S. 307-325.
Arbeitstagungen
1999
Am 26.
und 27. Februar 1999 fand in Marburg eine deutsch-französische
Arbeitstagung statt zum Thema
Das französische
Deutschlandbild im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts.
Am 23. und 24. April 1999
fand in Leipzig eine deutsch-französische Arbeitstagung statt zum Thema
Deutschlandbilder -
Frankreichbilder 1700-1840
Forschungseinrichtungen in der
Bundesrepublik Deutschland
Kontakt:
PD Dr. Olaf Asbach
Universität Hamburg
Institut für Politische
Wissenschaft
Allende-Platz 1
D-20146 Hamburg
Tel. (040) 42839 - 4693 /
3551 (Sekr.)
FAX: 040 – 42838-3534
e-mail: asbach(at)staff.uni-marburg.de
homepage: http://staff-www.uni-marburg.de/~asbach
- Zusammensetzung des deutsch-französischen
Projektverbunds
Les représentations françaises de l’Allemagne
en Europe, 17e – 18e siècles /
Das französische Deutschlandbild im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts
Projektgruppen:
- Les émigrés français en
Rhénanie pendant la Revolution française
Prof. Dr. Maurice Aymard, MSH
Paris
Projektbearbeiterin: Karine
Rance
Prof. Dr. Klaus Bochmann, Dr.
Matthias Middell, Frankreich-Zentrum der Universität Leipzig
Projektbearbeiter: Thomas
Höpel
- Das Deutschlandbild
französischer Diplomaten 1713-1799
Prof. Dr. Klaus Malettke,
Institut für Neuere Geschichte, Philipps-Universität Marburg
Projektbearbeiter: Sven
Externbrink, Jörg Ulbert
- Zur historischen Semantik von
"deutsch"/"Deutschland" in der französischen
politischen Publizistik 1650-1820
Prof. Dr. Fred E. Schrader,
Sorbonne, Paris
Projektbearbeiterinnen:
Armelle Lefebvre, Dr. Feng Chen
Projektbearbeiter: Dr. Olaf
Asbach / Dr. Dieter Hüning
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von O. Asbach