Schwingenbruch beim Blue J
18.11.2002

Die ersten 1500 Km fuhr ich ohne Probleme. Irgendwann stellte ich dann fest, dass das am Gepäckträger befestigte Schutzblech beim Federn der Hinterradschwinge immer mal aufsetzte. Dem schenkte ich zunächst keine größere Beachtung.
Als das jedoch immer häufiger vorkam, suchte ich die Ursache darin, dass entweder derohnehin etwas "labbelige" Gepäckträger sich verzogen hätte (Rad war kürzlich umgefallen) oder das Cellasto-Federelement den Geist aufgegeben hätte.
Also habe ich zunächst einmal den Gepäckträger wieder gerade "gebogen" und zusätzliche Querstützen etwas höher gelötet; so bekam das Schutzblech mehr "Luft" als vorher mit den gezurrten Lochblechstreifen, und der Gepäckträger wurde insgesamt viel steifer.
Weil ich gerade dabei war, habe ich auch noch die unteren "Spitzen", die bei schwerer Gepäckladung zuweilen die Hinterschwinge touchiert haben, herausgeschnitten und durch weiter oben sitzende Bügel ersetzt (Foto). Der Gepäckträger hat so auch noch eine elegantere Form :-)
So fuhr ich wieder eine Woche (etwa 200 Km) bis das Schaben des Schutzbleches wieder einsetzte.

Der Gepäckträger konnte es also nicht sein.
Beim Cellasto-Element hatte ich von Anfang an Bedenken, weil es zu "weich" vorkam (hinten "Wandern" beim Kurzvenfahren ...). Ich musste es sehr stark vorspannen - mehr, als es das Material eigentlich verkraften kann (lt. Kennlinie von Cellasto). Obwohl ich die Sache noch etwas entschärft hatte, indem ich den 60 mm Cellastoblock in der Hälfte durchgeschnitten hatte und eine Alu-Scheibe dazwischen gelegt hatte, vermutete ich, dass der Block nun innen gebrochen wäre.
Schon beim Entfernen der Spannschraube war die Ursache meines Problemes nicht mehr zu übersehen ...
Die "Sollbruchstelle" der Schwinge hat genau an der vorhergesehenen Stellen ihren Riss :-\.
Obwohl ich zunächst sehr geknickt war (ebenso wie die Schwinge) - es hätte ja viel schlimmer kommen können, so z.B. bei 70 Km/h in der Kurve ...
Naja, es war mein erstes, selbstgedengeltes, tragendes Schweissstück und von der Konstruktion her hätte man es sicherlich auch besser machen können !!
Erstaunlich fand ich, wieviel Kraft ich aufbringen musste, um den Holm dann von der Restschwinge zu trennen. Das ging nur mit "in-den-Schraubstock-einspannen-und-mit-90-Kg-Kampfgewicht-dagegenstemmen".
Ich Schätze, wenn das Schutzblech nicht so genervt hätte, hätte ich noch 'ne ganze Weile so fahren können !!
Ich habe die Teile dann schön schweissfertig vorbereitet und liebevoll wieder zusammengebraten.
Zusätzlich habe ich links und rechts jeweils einen 2 mm starke Blechstreifen gebogen und festgeschweisst (s.u. links) - das sollte als Verstärkung ausreichen.
In der Mitte ist mal so grob schematisch angedeutet, wie die einzelnen Stahlprofile verlaufen (grün) und eben die Verstärkungsbleche (orange). Rechts ist die Schwinge nach dem Lackieren zu sehen.
Fazit: Ich bin halt kein Schweisser, sondern nur ein Anfänger. Insofern bin ich besonders froh, meinen Verarbeitungsfehler nicht "übelst" quittiert bekommen zu haben. Klar, es hätte "schlimmer" kommen können, aber der Vorteil von Stahl im Gegensatz zu Alu oder Carbon ist eben, dass es nicht mit einem "Knacks" kaputt geht, sondern ein Ermüdungsprozess vorangeht. (Es gab ja auch mal einen Thread in der Mailingliste zum Thema "weichgetretener Rahmen".)
Insofern bin ich doch sehr beruhigt, dass sich ein Bruch "ankündigt" - steel is real !!
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