Besuch und Vortrag von Prof. Mikoletzky |
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Am 29. Mai 1998 besuchte Herr Prof. Dr. Lorenz Mikoletzky, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs Wien
die Archivschule Marburg, um anläßlich des Einführungsseminars für den 33. Wissenschaftlichen Kurs der Archivschule
einen Vortrag über "das österreichische Archivwesen und seine Beziehungen zu Osteuropa" zu halten.
Zuvor jedoch informierte er sich zusammen mit seiner Frau, selbst Archivarin im Archiv der Technischen Universität Wien,
über die Struktur der Ausbildung, die einzelnen Fächer, deren wichtigste Inhalte und die Prüfungen, indem er an der
von Herrn Dr. Uhde für den 33. Wissenschaftlichen Kurs durchgeführten Sitzung über "den theoretischen Ausbildungsteil
in Marburg" teilnahm.
Am späteren Vormittag konnte Frau Dr. Menne-Haritz, die Leiterin der Archivschule Marburg, dann Herrn Mikoletzky den
versammelten Mitgliedern des 32. und 33. Wissenschaftlichen Kurses sowie des 35. Fachhochschulkurses
und den am gleichen Tag in Marburg versammelten Mitgliedern der Ausbildungsleiterkonferenz sowie den
Dozenten der Archivschule vorstellen.
Herr Prof. Mikoletzky gab zunächst einen kurzen Abriß über die Entwicklung des Archivwesens im Bereich der ehemaligen
Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie zu Beginn des Jahrhunderts sowie in Österreich selbst seit den 20er Jahren.
Dabei arbeitete er vor allem die in den folgenden
Jahrzehnten und bis heute immer wieder eine Rolle spielenden Brüche innerhalb der Überlieferung heraus.
Diese Brüche sowie die territorialen Veränderungen nach 1918 und 1945 führten seit Beginn der 20er Jahre immer wieder
zu gegenseitigen Forderungen nach Auslieferung von Archivalien sowohl von Österreich an die Staaten Ost- und Südosteuropas bis hin
nach Russland, aber auch umgekehrt.
Anhand einzelner Beispiele, an denen manches Mal auch die durch die geschichtliche Entwicklung entstehenden Unsinnigkeiten
der Verfahren deutlich wurden, konnte Herr Mikoletzky sehr plastisch schildern, welche große Rolle diese Kontakte
für das österreichische Archivwesen spielten.
Daß diese Beziehungen bei weitem nicht nur eine Sache früherer Jahrzehnte war, sondern auch eine Perspektive in die Zukunft haben, deutete
Herr Prof. Mikoletzky an, als er auf die sich abzeichnende Vermittlerrolle zu sprechen kam, die aus seiner Sicht aufgrund dieser
Kontakte bei der anstehenden Erweiterung der EU dem österreichische Archivwesen zuwächst.
Wie wichtig eine solche Vermittlerrolle selbst im Detail sein kann, zeigte sich in
einer kleinen Episode nach dem Vortrag, als Herr Mikoletzky mit bundesrepublikanischen Kolleginnen und Kollegen
über die in den Ländern unterschiedliche Bedeutung des von ihm im Vortrag verwendeten Begriffs "Spagat"
(bayer./öster.: Bindfaden, sonst: Übung beim Turnen) diskutierte.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten dem Referenten für seinen ebenso gehaltvollen wie kurzweiligen Vortrag mit langem Applaus.
K.Uhde
URL:http://www.uni-marburg.de/archivschule/1998-mikoletzky.html
e-mail an Dr. Karsten Uhde, Stand: 13.08.1999