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17.12.
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Flug von Erfurt nach
Agadir: bis auf kleinere Beschädigungen der Fahrräder und Verlust
unwesentlicher Gepäckteile ging alles gut.
Wir fahren bis Inezgane
(12 km), wo wir gerade noch eine offene Bank finden. Der Verkehr ist ungewohnt
stressig und laut. Wind pfeift laut durch alle Ritzen des Hotels, in der
Eingangshalle hinterlassen wir Schlammspuren.
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Auf der (recht verzweifelten)
Suche nach Spiritus lernen wir Mohammed kennen, der uns hilft und uns zum
Tee einlädt. "Be
careful: it's raining", gibt er uns mit auf den Weg. |
| 18.12. |
Über
Ait Melloul nach Ait Baha (56 km). Viel Metall- und ein bisschen Holz-Handwerk
in den Nebenstraßen. Gearbeitet wird vor allem vor den Geschäften
und auf den Gehwegen, viele Kinder sind als Transporteure unterwegs. Um
16h kommt eine Horde von Kindern offenbar aus einer Grundschule, und wir
sehen zum ersten Mal eine unverschleierte Frau auf offener Straße.
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| 19.12. |
Übernachtung
am Agadir Tizlan, wo wir die Erlaubnis zu zelten bekommen haben (47 km).
Da wir kein Wasser mehr haben, fahre ich 4,5 km bis zum nächsten
Dorf, wo heute (donnerstags) Souk sein soll.

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Zwei Jungen, die noch
nie eine Europäerin auf einem Rad gesehen zu haben scheinen, verkaufen
mir dort Mineralwasser, Couscous und Fladenbrot.
Zurück
bis zum Zeltplatz schaffe ich es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit.
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20.12. |
Rauf auf die Passhöhen
in der Mittagshitze bis 1500, 1600 Meter.
Ziel ist die
Oasenstadt Tafraoute (57 km).
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Wo wir Pause machen,
treibt ein Hirte seine Ziegen über die Straße. Ein Junges bleibt
zurück, findet den Anschluss nicht mehr. Schließlich folgt
es uns zu den anderen. Zwei junge Frauen begegnen uns Kräuter sammelnd
im Wald, schäkern mit uns.
Berge: Die Kulisse
wird schroffer, die Straßen menschenleerer, das Grün nimmt
ab.
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21.12. |
Auf dem Campingplatz
gibt es erst ab 9 Uhr fließendes Wasser. Auf der Passhöhe eine
Schule, die Kinder reißen sich um die Luftballons, die ich aus der
Hosentasche ziehe. Ein
alter Mann auf dem Feld bittet um Zigaretten. |
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In einem Bergdorf
machen Kinder eine Straßensperre, ein Stein fliegt nach uns, weil
wir nicht anhalten.
Wir campen wild neben
einem Fußballplatz zwischen Souk-Tleta und Souk-Jemaa (62 km), bauen
das Zelt erst in der Dämmerung auf und schlafen sehr unruhig - nicht
nur wegen dem starken Wind.
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22.12. |
Wir überqueren den Anti-Atlas bei furchtbarem Gegenwind, beschließen
spontan, nicht weiter nach Osten zu fahren, und landen in Bou-Isakarn.
Dort ist es laut und hässlich, wir nehmen einen Bus nach Tiznit und
fürchten unterwegs um unsere Räder, die wir auf dem Dach scheppern
hören.
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23.12. |

Der
kam aber irgendwie nicht (bzw. nicht schnell genug für unsere europäischen
Vorstellungen).
Zu ungeduldig für den Bus, starten wir doch per Rad und finden unterwegs
einen Bus nach Inezgane. Am frühen Abend kommen wir dort am Busbahnhof
an und nehmen spontan den nächsten nach Tazenakht.
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Heute sind wir weit
in den Osten gefahren, nach Tazenakht (davon selber gefahren: 67 km).
Ursprünglich
wollten wir - nach lan-
gem Herumentscheiden - mit dem
Bus nach Taroudannt.

Ein Junge musste bis
23 Uhr im Hotel warten, um uns zu empfangen. Es ist sehr kalt hier, natürlich
auch die Dusche...
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24.12.

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Die Wüste: flirrende Luft, gar nicht soo heiß und sehr schön.
Neben uns ziehen sich Oasen an einem Wadi.
Kurz vor Foum Zguid
schlagen wir hinter einer Düne das Zelt auf (88 km). Keine Fahrzeuge
mehr nach Eindruch der Dunkelheit. Absolute Stille, die richtig in den
Ohren dröhnt. Sternenhimmel wie noch nie gesehen, flimmernd. Ich
suche verzweifelt den großen Wagen, sehe ihn allerdings, als ich
um 3 Uhr nachts aufwache. Morgens hören wir aus weiter Ferne einen
Esel.
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| 25.12. |
Nach der Nacht in
den Dünen sind die Eier in der Plastiktüte (zum Schutz vor wilden
Tieren waren sie extra in einem Baum aufgehängt) nur noch Matsch.
Offenbar hatten wir Nachtfrost.
Morgens, noch im Dunkeln,
wird der erste und einzige Plattfuß der Tour geflickt. Im Cafe de
la Libertad in Foum Zguid treffen wir dann zum ersten Mal EuropäerInnen
- Merry Christmas...
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Nach dem Frühstück
geht es mit ca. 21 km/h Richtung Tata. Obwohl die Szenerie nicht so wahnsinnig
abwechslungsreich ist, wird die Wüste irgendwie nicht langweilig.
Abends finden wir
die von Erika Därr beschriebene, wirklich paradiesische Stelle zum
Baden und wild Campen vor Tissint (68 km).
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| 26.12. |
Bis Tissint geht es
auf einer gewundenen Straße recht gut voran. Kaum Verkehr hier,
am Ortsausgang Polizeikontrollstelle.
Nach dem Pass Richtung
Westen, jetzt haben wir extremen Westwind und ärgern uns sehr über
die Bus-Aktion, mit der wir doch dem Gegenwind entkommen wollten!!
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Die Kräfte lassen
nach, es geht bergauf, erstmals fahren wir in die Dunkelheit hinein bis
nach Tata (82 km). Heute
mal nicht campen.
Im Hotel treffen
wir unsere europäischen FreundInnen von gestern wieder, essen zusammen
Tadjine und verbringen einen Tag gemeinsam.
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28.12. |
Von hier aus wollen wir den Anti-Atlas noch einmal überqueren, nun
von Süden nach Norden. Noch sind wir in der Wüste. Morgens um
8h messen wir noch frostige 3°C (nie wieder ohne Schlafsack-Inlet
wegfahren!), tagsüber bleibt es meist unter 30°C.
In
den Dörfern werden wir lautstark begrüßt und von einer
Horde Kinder umringt, wenn wir anhalten.
Nach dem starken Gegenwind
in der Ebene macht es Spaß, wieder Berge zu fahren. Wir übernachten
gegenüber einer Oase vor
Tagmoute/ Issafen (84 km).
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29.12.
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Die Straße nach
Igherm folgt einem Wadi. Komisch,
an einem völlig trockenen Fluss entlang zu fahren und sich vorzustellen,
wie das hier ist, wenn Wassermassen kommen!
Als ich Briefe einwerfen
will, eilen Frauen herbei, sie werden schnell mehr. Wir alle können
kein Französisch - aber ich soll den Briefkasten wohl nicht benutzen.
Dann halten sie Henna-geschmückte Hände auf, lachen, fragen
nach Bonbons. Reizende Bekanntschaft.
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Nach einem Wettrennen
mit der lokalen Fußballmannschaft - zwei Handvoll Jungs mit grellen
Trikots, die auf Rädern vom Training nach Hause fahren - zelten wir
in den Bergen (64
km). Während
wir kochen, schallt das Abendgebet herüber.
Nachts wache ich
auf und höre, dass
das Zelt würde von Tieren umstreift wird. Aber morgens ist alles
unangetastet, auch das Essen. Panik umsonst.
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| 30.12. |

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Nach endlosem Auf
und Ab und
wieder Auf jetzt endlich die Abfahrt. Und wieder mehr Grün.
Als ich zum Fotografieren
anhalte, kommt ein Junge und bettelt. Da ich ihm weder Stifte noch Geld
geben will, klaut er mir die Mandarinen vom Fahrrad. Ich schäme mich,
dass ich ihm nichts abgegeben habe (ein Kilo Mandarinen kostet in Marokko
umgerechnet ganze 20 Cent!).
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Auf äußerst
schlechter Straße geht es bis Taroudannt (74 km). Eine richtige
Stadt, fast schon ungewohnt!
Wir haben vom Gebirge
noch nicht genug und beschließen, morgen den Hohen Atlas zu überqueren.
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31.12.
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Im Hotel gibt es pain
au chocolat zum Frühstück und (morgens) warmes Wasser!
Wir fahren tatsächlich
an einem Tag bis auf die 2100-m-Passhöhe Tizi'n'Test hoch (49 km
und ungefähr 2 km Höhenunterschied), wo uns ein malerischer
Sonnenuntergang und die herzlichste Bewirtung unseres Lebens erwarten.
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1.1.03

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Das neue Jahr haben wir mit dem
Wirt, dem Koch und drei alten Hirten begonnen, die sich an dem improvisierten
Ofen aus ausgedienten Fässern wärmten. Eine Familie aus Frankreich
war auch dort, mit ihnen und dem Wirt (ein Berber) tauschten wir stundenlang
Urlaubs- und Lebenserfahrungen aus.
Zu
essen gab es außer Fladenbrot und Sardinendosen nur Omelette Berber,
zu trinken immer neue Kannen marokkanischen Minztees ("Whiskey Berber").
Mitternacht stoßen wir mit Sprite ohne Kohlensäure an. Ob
man auch in Europa ohne Alkohol so intensiv und ausgelassen feiern könnte?
Erst seit drei Jahren
haben sie dort oben Strom und sind auch nicht darauf angewiesen (das Licht
brennt mit Gas); ein dauerhaftes Leben mit diesen sanitären Anlagen
scheint uns überhaupt nicht vorstellbar.
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Wir brechen ohne Kater auf, schaffen aber nur enttäuschende 57 km
(auf dieser Seite des Atlas geht es viel auf- und abwärts, und die
Höhenmeter von gestern spüren wir noch) und campen in der Nähe
von Iljoukak.
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2.1.
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Nachts haben wir in
den Bergen campiert und mit Flusswasser gekocht (inzwischen Routine mit
dem Wasserfilter) und gebadet.
Richtung Marrakech
werden wir zunehmend als TouristInnen wahrgenommen und behandelt.
Allmählich lernen wir das Handeln.
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Wir erreichen gegen
16h Marrakech (85 km). Unglaublicher
Verkehr, Smog, Hitze und Lärm. Polizisten regeln den Verkehr. Die
Hotelsuche ist hier schwieriger.
Schlangenbeschwörer,
Geschichtenerzähler (auf arabisch) und Händler auf der Djama-el-Fna.
Abends werden auf dem ganzen Platz Stände aufgebaut, um Essen zu
verkaufen.
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3.1. |
In den Gassen Marrakechs verirren wir uns immer wieder und stoßen
auf die Koranschule, eine Gewerkschaftszentrale und die Synagoge (macht
keinen authentischen Eindruck). Viele streunende Katzen, Störche.
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Zum ersten und einzigen
Mal können wir eine Flasche Wein kaufen.
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In den Hinterhöfen wird gearbeitet: Gerbereien, Bäckereien,
Schafzucht, Schlosser, Lampenbauer, viele Zahnärzte...
In den Straßen
der Gewürz- und Seifenhändler riecht es besser.
Ein Junge begleitet
uns schon lang; als wir keine Lust mehr auf Herumirren haben, lassen wir
uns schließlich von ihm führen und geben ihm Geld dafür.

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In einem Terrassencafé an der Djama-el-Fna versuchen wir uns zu
entspannen. Mittags
tönt das Gebet aus der Moschee gegenüber (es ist Freitag).Wir
sehen, wie unzählige Menschen zum Gebet zusammenkommen. Immer neue
Teppiche werden herbeigeschleppt, manche begnügen sich mit Pappkarton.
Wo sind die Frauen?
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4.1.
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Geimsames Frühstück mit unseren Bekannten aus Foum Zguid, danach
mit dem Bus bis Essaouria an der Westküste. Essaouria ist sehr hübsch,
mediterran, offensichtlich touristisch ausgerichtet und ungewohnt (eigentlich
eher befremdlich) sauber.
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Der Campingplatz liegt
außerhalb. Wir treffen drei Leute aus den Niederlanden wieder, die
wir schon in Taroudannt gesehen haben. Sie sind schon neun Monate unterwegs.
Im Hafen werden hölzerne
Schiffe für den Fischfang gebaut.
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| 6.1. |
Busfahrt nach Agadir,
danach mit dem Rad weiter nach Inezgane (12 km). Unsere
ausgehandelten Buspreise liegen inzwischen weit unter dem, was wir anfangs
noch bereitwillig bezahlt haben.
Der Busfahrer ist
sehr jung und fährt unglaublich schnell, vor allem in den Serpentinen.
Uns ist schlecht; offenbar nicht nur uns: Plastiktüten werden verteilt...
Obwohl wir die Sprache
nicht verstehen, sind wir in der ausgelassenen Stimmung in dem überfüllten
Bus irgendwie voll intergriert.
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| 7.1. |
In Inezgane haben
wir Mohammed und seine Familie zuhause besucht. Wir haben mit Fragen gelöchert
über Religion, Geschichte, Kultur und alles, was wir unterwegs nicht
verstanden haben.
Aziza hat uns erklärt, wie man Couscous richtig kocht, und Mohammed,
wo wir heute noch Sachen kaufen können.

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Streifzug durch Märkte
und Geschäfte. In dieser Stadt erinnern wir uns überall an die
Befremdung und Unsicherheit, die wir hier an unserem ersten Tag verspürt
haben.
Per Rad nach Agadir
(12 km), die Strecke vom ersten Tag. Pappkarton besorgen, um die Räder
mehr schlecht als recht für den Rückflug zu verpacken. Landung
bei Dunkelheit und -22°C.
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